Besuchsbericht – Kilema Juli 2026
Liebe Freunde der P.A.P.A.-Bridge,
Wir waren wieder im Dorf Kilema, um unser Projekt zu besuchen und zu coachen. Diesmal waren wir vom 2. Juli bis 5. Juli vor Ort, und möchten euch hiermit gerne an unseren Erlebnissen teilhaben lassen.
Zusammenfassung
Wie immer wurden wir herzlich empfangen und haben intensive Gespräche mit allen Beteiligten geführt. Wir haben zwei ganze Tage in der Berufsschule verbracht, sowie eine Beiratssitzung unter der Leitung des Vorsitzenden Mr. Gasper Njuu abgehalten. Die wesentliche Herausforderung für uns ist, dass wir einen neuen Direktor finden müssen, der uns nachhaltig erhalten bleibt, und wir dann um ihn ein starkes Managementteam aufbauen können. Und darüber hinaus gilt natürlich, dass wir die Produktionsaktivitäten in die Profitabilität führen müssen.
Direktor Situation und das Führungsteam
Die aktuelle Situation ist geprägt davon, dass wir aktuell keinen dauerhaften Direktor haben; denn unser letzter Direktor, Mr. Hubert Makundi hatte mit Ende 2025 seine Interimsrolle abgegeben, und ist in Pension gegangen. Seither hat dankenswerterweise Pater Aidan die Direktor Rolle übernommen – aber eben nur übergangsweise. Somit laufen die aktuellen Anstrengungen sehr stark in Richtung Recruiting eines neuen A-Players, den wir als Direktor einstellen können. Wir gehen davon aus, dass dieser Prozess jetzt einige Monate in Anspruch nehmen wird.
Parallel dazu waren wir nicht untätig, sondern haben schon das Management Team um einen Produktionsleiter und einen Ingenieur für die Wasserproduktion erweitert. Das ist schon ein guter Teilerfolg für die Zukunft. Darüber hinaus sind wir guter Dinge, denn die neue Anwesenheit von Pfarrer Josef Windisch im Dorf Kilema, der die Pfarre Fernitz-Kalsdorf in Österreich verließ, gibt uns nun neue Möglichkeiten. Er hat jetzt seit Anfang August die Rolle des Direktors von Pater Aidan übernommen, bis wir einen neuen einheimischen Direktor finden, den wir dann entsprechend aufbauen können.
Der laufende Schulbetrieb
Bei den letzten Abschlussprüfungen der VETA im Dezember 2025 haben alle angetretenen Schüler bestanden, was erfreulich ist.
Was allerdings die Schülerzahlen betrifft, sind wir leider wieder zurückgefallen, nämlich auf 194 Schüler. Somit muss es eine Offensive geben, um mehr Jugendliche für unsere Berufsschule zu begeistern, sodass wir die Schülerzahl wieder auf 300 heben können – das bringt uns eine bessere Auslastung des Schulcampus, mehr Schulgeld, und damit eine leichtere Finanzierung
des laufenden Betriebs. Um das zu ermöglichen, muss die Attraktivität unserer Schule deutlich angehoben werden, um im Wettbewerb mit den öffentlichen Berufsschulen einen Wettbewerbs-Vorteil zu haben. Tatsächlich verrechnen die öffentlichen Berufsschulen kein Schulgeld, was unsere Schule etwas unter Druck setzt. Somit ist es nun notwendig, unsere Berufsschule in Kilema herausragend zu entwickeln, damit unsere Reputation stark steigt, und die Eltern ihre Kinder zuallererst zu uns schicken wollen.
Was den Lehrkörper betrifft, sind wir zufrieden, aber noch nicht exzellent aufgestellt. Deshalb müssen wir weiterhin sehr gute Lehrer in unsere Schule bringen – leider werden die sehr guten Lehrer von der Regierung abgeworben, um in deren Schulen zu unterrichten, da dort wesentlich mehr Gehalt bezahlt wird!
Finanzen
Wir bekommen einmal pro Quartal die Produktions-Finanzzahlen der Berufsschule und einmal jährlich den Finanz-Jahresabschluss. Dieser Finanz-Jahresabschluss für das Jahr 2025 liegt nun vor, und wurde intensiv im Beiratsmeeting diskutiert. Er zeigt bei Einnahmen von rd. EUR 180.000,- ein Nullergebnis. Von den Einnahmen, kommen rd. 50% von unserer PAPA-Bridge Organisation als Spenden. Damit sehen wir, dass die Schule noch immer sehr stark von unserer Unterstützung abhängig ist. Die Finanzzahlen im Bereich der Produktion zeigen einen Quartalsumsatz im Q1/2026 von nur EUR 13.000
,- . Und das bei einem Verlust im Ergebnis. Daran sehen wir, dass die Produktionstätigkeit weiter zurückgegangen ist, und weiterhin ein großes Sorgenkind für unser Projekt ist. Hauptgründe hierfür sind, dass die Wasserproduktion wegen Maschinenschaden stillgestanden ist, und wir auch bis dato keinen Produktionsverantwortlichen hatten.
Welche Maßnahmen wir nun setzen, um unsere Produktions-Aktivitäten neu hochzufahren, erklären wir bei den Erläuterungen der einzelnen Fachbereiche.
Fachabteilungen & Business Development Center (BDC)
Einen frischen Wind wird nun der neue Manager einbringen, der als Sales- und Produktionsmanager eingestellt wurde. Sein Name ist Charles, und ich konnte mich von seinem Commitment und seiner guten Arbeit überzeugen. Ebenso wird ab sofort Pfarrer Josef Windisch, unser Obmann Stellvertreter, vor Ort das Management-Team coachen und speziell einen Fokus auf die Wiederaufnahme der professionellen Produktion legen.
Wir wollen euch hier die wichtigsten Maßnahmen aufzeigen:
Maurerausbildung und Ziegelproduktion
Hier gab es seit unserem letzten Besuch kaum Veränderung. Positiv zu erwähnen ist, dass die Qualität unserer produzierten Ziegel zugenommen hat, und das Vertrauen unserer Kunden in unsere Ziegel nun wieder ok ist. Die aktuelle Kapazität der Fertigung beträgt dzt. 700 Ziegelsteine pro Tag, wobei jedoch die Auslieferungen stark saisonal schwanken. In starken Monaten verkaufen wir mehr als 10.000 Stück, und in manchen Monaten fast gar nichts. Unser neues Ziel in
dieser Abteilung ist nun, die saisonalen Schwankungen besser abzufangen, und mehr Geld für Material und Vorproduktion zur Verfügung zu stellen. Die wesentliche Herausforderung in dieser Abteilung ist sicher nicht die Produktion selbst, sondern die Wettbewerbsfähigkeit im Markt und das Erreichen neuer Kundenschichten, in Kombination mit den saisonalen Schwankungen.
Schlosserei und Metallverarbeitung
Auch für diesen Bereich können wir berichten, dass die Qualität der produzierten Produkte zugenommen hat. Hauptgrund dafür ist, dass wir den Lehrer ersetzt haben, um mehr Erfahrung ins Team zu bringen. Der neue Lehrer ist zwar schon kurz vor der Pensionierung, kann aber speziell in dieser Phase der Schulentwicklung viel Erfahrung einbringen. Langfristig müssen wir natürlich dann einen jüngeren Nachfolger suchen.
Wie schon erwähnt, werden in der Schlosserei hochwertigere Produkte produziert, die Anklang am
Markt finden. Allerdings muss erst wieder der Markt dafür geöffnet werden, da die Reputation unserer Auslieferqualität in der Vergangenheit nicht die Beste war. Jetzt sind wir zuversichtlich, dass wir mit dem neuen Lehrer wiederrum neue Kunden mit neuen Produkten erschließen können. Es ist auch selbstredend, dass dzt. die Schlosserei kaum zum Betriebsergebnis der Produktion etwas beiträgt – dass soll sich natürlich bis Ende des Jahres wieder ändern.
Tischlerei
Erfreulich ist, dass die Tischlerei soweit solide und konstant läuft. Der Lehrbetrieb mit dem Lehrer funktioniert, und es werden zusätzlich Produkte mit guter Qualität erzeugt. Dennoch kommt auch die
Tischlerei bzgl. Skalierung nicht vom Fleck. Es scheint wohl so zu sein, dass eine wichtige Maschine fehlt, um spezielle Fräsungen machen zu können. Ebenso funktionieren zwei alte Maschinen nicht mehr, die wir reparieren müssen. Auf alle Fälle ist zu überlegen, ob wir diese neue Maschine kaufen sollten, um Produkte am Markt anbieten zu können, die die Kunden nachfragen. Und danach sollte eine Skalierung der Produktion wieder möglich werden.
Land- und Viehwirtschaft
Dieser Lehrgang und die zugehörigen Aktivitäten sind für die Region sehr wichtig. Denn durch die
Land- und Viehwirtschaft werden die landwirtschaftlichen Ressourcen in der Region viel besser genutzt. Dazu bewährt sich unser neues Gebäude und die dazugehörigen Labors und Lehrräume. Neben der Theorie gibt es die praktische Arbeit auf den Feldern und Versuchs-Gärten, sowie eine kleine Hühnerfarm und Schweinezucht. Neu angeschafft wurde ein Brutkasten für ca. 300 Eier, der sehr gut funktioniert. Damit können innerhalb von 21 Tagen rund 300 Küken gezüchtet werden, die man dann verkaufen kann bzw. die eigene Hühnerzucht vergrößern kann. Im Übrigen haben wir auch in diesem Bereich einen Lehrerwechsel vollzogen, damit wir den nächsten Wachstumsschritt schaffen können.
Bäckerei
Wie schon mehrmals berichtet, laufen die Produktionsprozesse in der Bäckerei sehr gut. Ebenso schmecken die produzierten Brote hervorragend gut! Nichtsdestotrotz gibt es auch in der Bäckerei ein großes Sorgenkind – das ist die Profitabilität. Einfach gesagt, sind die Einkaufspreise der
Materialien stark gestiegen, und die Verkaufspreise wurden nicht erhöht. Vor diesem Hintergrund gilt es nun für den neuen Produktionsleiter Charles, diese Situation zu entflechten, die Kosten für die Produktion genau zu verstehen, und das Finanzcontrolling für die Bäckerei nachzuschärfen, um dann das Geschäft neu aufzusetzen. So wie bisher, können wir nicht weitermachen, auch wenn die Qualität und der Output stimmt. Wir sind optimistisch, dass man diese Situation innerhalb der nächsten drei Monate neu ordnen kann.
Wasserabfüllung
Das Projekt Wasserabfüllung ist unser größtes Sorgenkind der letzten Monate gewesen, da die Produktion komplett zum Stillstand gekommen ist. Grund dafür war ein defekter Luftkompressor,
der nicht so schnell ersetzt werden konnte. Zusätzlich war es notwendig, alle Maschinen und Filter einer Wartung zu unterziehen und damit die Produktion still zu legen. Als Folge dessen, mussten wir das gesamte Team in dieser Abteilung entlassen, dann den Kompressor aus Indien neu kaufen, und dann die restlichen Maschinen wieder hochfahren. Dazu haben wir erstmals einen eigenen Ingenieur als technischen Leiter für die Wasserproduktion eingestellt. Sein Name lautet Mr. Aristid Njuu, und er ist seit Juni an Bord. Jetzt stehen wir kurz vor dem Neustart der Wasserproduktion, den er schaffen muss. Mr. Aristid hat schon in den letzten Wochen großartige Arbeit an den Maschinen geleistet, sodass wir sehr optimistisch für den Neustart sind.
Der nächste Schritt ist nun, das Produktionsteam von drei Lohnarbeiterinnen und einen Labortechniker einzustellen, die Maschinen final abzunehmen und die neuen Zertifikate zu besorgen. Dann steht dem Neustart der Produktion nichts mehr im Wege. Die Produktion soll am Beginn ca. 2400 Stück Flaschen zu je 0,5L täglich betragen. Dies zuerst nur mit einer Schicht (6 Tage die Woche). Und wenn das stabil läuft, soll die zweite Schicht hochgefahren werden. Wir drücken Mr. Aristid die Daumen!
Weitere Fachbereiche
Die folgenden Bereiche laufen soweit konstant und werden von uns bedarfsorientiert unterstützt: Elektriker Lehrgang, KFZ-Service/Fahrschule, Schneiderei, Kochlehrgang/Kantine, Installateur Lehrgang, EDV, Tourismus Lehrgang, Verkaufsladen/Großhandel
Patenschaftsprogramm
Unser Patenschaftsprogramm/Godfather-Programm läuft sehr gut. Wie immer habe ich alle Patenkinder kurz vor
Ort in der Schule getroffen, und ein Foto von ihnen gemacht. Dieses Patenprogramm ist ein wichtiger Beitrag für die sehr armen Familien im Dorf. Denn wir wollen talentierten Kindern, die mittellos sind, auch die Möglichkeit geben, einen wertvollen Beruf in unserer Schule zu erlernen, und sie damit aus der Armut holen. Aktuell haben wir rd. 80 direkte Schulpatenschaften laufen. Ebenso haben wir zusätzlich weitere Pool-Patenschaften organisiert, die keinem direkten Kind zugeteilt sind, aber den finanzschwächsten Schülern zugutekommen. Danke an dieser Stelle an alle, die als Pateneltern so tatkräftig unterstützen!
Nächste Schritte
Pater Aidan wird auch heuer wieder nach Österreich kommen, diesmal im September. Wir werden dann mit ihm gemeinsam den PAPA-Bridge Afrika-Abend in Kalsdorf begehen. Dieser wird am 18.September stattfinden mit Heiliger Messe in Kalsdorf um 18:00 Uhr und Vortrag im Pfarrheim Kalsdorf um 19:00 Uhr. Ihr seid dazu herzlich eingeladen zu kommen!
An dieser Stelle möchten wir uns wieder besonders herzlich bei allen Spenderinnen und Spendern und Freunden der P.A.P.A.-Bridge bedanken, die uns bis heute so tatkräftig unterstützt haben! Und gleichzeitig wollen wir unsere große BITTE aussprechen, möglichst viele weitere Personen anzusprechen, um die notwendigen finanziellen Unterstützungen für die bedürftigen Menschen in Kilema sicherzustellen – ASANTE SANA!
Liebe Grüße und Gottes Segen wünschen euch,
Walter Koch – Obmann
Josef Windisch – Vizeobmann (nun wohnhaft direkt beim Projekt in Tansania),
Claudia Schanes – Patenschaftsprogramm,
Pater Aidan – Cofounder und Coach in Tansania
und der gesamte Vorstand der P.A.P.A-Bridge




















